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Sozialraumgestaltung für Menschen mit Behinderung

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„Sozialraumgestaltung für Menschen mit Behinderung – Ein Blick auf Europa“. 10. Cuxhavener Fachtagung des Arbeitskreises Freier Träger in Bad Bederkesa.

Am 27. April veranstaltete der Arbeitskreis Freier Träger im Landkreis Cuxhaven unter dem oben genannten Titel seine jährliche Fachtagung im Evangelischen Bildungszentrum in Bad Bederkesa. 2010 bildet dabei ein Jubiläum. Seit nunmehr 10 Jahren wird die "Cuxhavener Fachtagung" zu unterschiedlichen sozialpolitischen und fachlichen Themen durchgeführt und schafft mit in die Zukunft gerichteten Ansätzen zunehmend überregionale Wirkung.
Der Arbeitskreis, entstanden vor etwa 11 Jahren, hat als Mitglieder die Albert-Schweitzer-Wohnstätten, das Betreuungs- und Erholungswerk, das Deutsche Rote Kreuz Wesermünde, die Diakonische Behindertenhilfe Cuxhaven, die Elbe-Weser Werkstätten sowie die Lebenshilfe Cuxhaven.

„Europa ist eine Realität“ stellte Mineke Hardeman aus Brüssel von der EASPD (European Association of Service Providers for Persons with Disabilities) in ihrem Eröffnungsreferat fest. Dabei muss Europa den Lebensbedingungen der Menschen mit Behinderungen Rechnung tragen und Versorgung nicht von Grenzen abhängig machen. So müssen behinderte Menschen, wie sie in einem Beispiel ausführte, aus Nordfrankreich auch Versorgungsangebote im Süden Belgiens nutzen können, ohne Grenzen von Kostenträgern. Forderungen, die die UN-Behindertenkonvention stellt, die aber noch nicht in den europäischen Ländern – auch Deutschland – umgesetzt sind.
Hier geht es zur PowerPointPräsentation von Mineke Hardeman "Europa wirkt".

Theodorus M.F.M. Maas aus Hamburg von der Stiftung Alsterdorf ergänzte diese Feststellung mit dem Bericht, dass diese Forderungen auch konkret z.B. von Beschäftigten einer Werkstatt für behinderte Menschen erhoben werden. Zur Umsetzung bedürfe es aller Akteure in einem Gemeinwesen und der Bereitschaft, vor allem den Nutzern der Hilfen die Möglichkeit zu geben, ihre Unterstützungsbedarfe selbst zu beschreiben. Er berichtete von Projekten in Hamburger Stadtteilen, wo unterschiedliche Bewohnergruppen - und hierzu gehörten sowohl Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderungen - als auch alle anderen Bewohner eines Wohnquartiers, die Gestaltung selbst in die Hand nehmen und die zuständigen Behörden für Umsetzung ihrer eigenen Konzepte verantwortlich machen.  

Klaus Candussi von der atempo Betriebsgesellschaft zur Gleichstellung von Menschen aus Graz berichtete, wie diese Eigenverantwortung in seinem Unternehmen umgesetzt wird. Dort arbeiten Menschen mit Behinderungen als Experten für Menschen mit Behinderungen, in dem sie Gesetzestexte und Veröffentlichungen in allgemeinverständliche Sprache übersetzen. Große Aufmerksamkeit fand beim Auditorium der Hinweis, dass auch österreichische Behörden inzwischen die Gesetzestexte in einfacher Sprache nutzen. Auch die Qualitätsprüfung von Einrichtungen der Behindertenhilfe wird durch Mitarbeiter der Firma vorgenommen, auch für Sozial- und Finanzbehörden. Bei diesen Prüfungen wird ermittelt, wie die Nutzerinnen und Nutzer einer Dienstleistung die Qualität dieser Dienstleistung erleben.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Europa sich nicht als abstraktes Konstrukt darstellt sondern als Erweiterung für alle Bürger in ihren Verschiedenheiten. Gleichzeitig wurde klar, dass mehr Mut zum Tun und weniger Fragen nach Vorschriften die Gestaltung sozialer Räume in Europa voranbringen kann. Nicht über uns – ohne uns, diese Forderung der Behindertenverbände wurde für alle Tagungsteilnehmer deutlich. Dazu müssen Europas Einwohner auch die Möglichkeit bekommen, sich auszutauschen und kennen zu lernen ohne alle Grenzen von Gesetzen, Kostenübernahmen und Unterstützungsformen.  
      
                       


Geschrieben am 29.04.2010 | Druckansicht


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